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Wiesbadener Tagblatt vom 13.10.2004 - von Marianne Kreikenbom

Ein malerisches "Tor zum Jenseits" in Blautönen
Die Ausstellung der Wiesbadener Freien Kunstschule zur ersten Hospiz- und Palliativwoche im Roncalli-Haus

Unter dem Motto "Der Tod naht..." findet mit einer Reihe kultureller und informativer Veranstaltungen gegenwärtig die erste Hospiz- und Palliativwoche im Wiesbadener Roncalli-Haus statt. "Soweit wir wissen, die bundesweit erste ihrer Art", meint Sylvia Klein vom Hospizverein Auxilium, der gemeinsam mit dem Schmerz- und Palliativzentrum Wiesbaden die Aktion vorbereitet hat. Es sei ein mutiges Unterfangen, sich dem in Alltag und Öffentlichkeit heute eher ausgeblendeten oder verdrängten Thema Tod zu widmen. Als Forum für Auseinandersetzung, Anregung und Austausch verstehen die Veranstalter ihr Unternehmen. Ein Experiment der Annäherung, vermittelt nicht zuletzt durch die Kunst.

Mit einer Ausstellung meditativer Malerei, die seit gestern im Roncalli-Saal zu sehen ist, beteiligen sich Studenten und Dozenten der Wiesbadener Freien Kunstschule (wfk). Das von Auxilium vorgeschlagene Projekt war hier sofort auf Interesse gestoßen. Das besondere geistige Niveau des anspruchsvollen Themas habe sie gereizt, erklärt Michael Becker, Leiter der vor dreißig Jahren von seinem Vater Wolfgang Becker gegründeten Kunstschule. "Die Arbeiten sollten das Thema nicht banalisieren, sondern mit autonomen bildnerischen Mitteln und Gestaltungsmöglichkeiten eine besondere Wirkungssphäre erreichen." Das setzt eine intensive Auseinandersetzung mit Inhalt und adäquater Form voraus. Neben schon vorhandenen älteren Werken entstanden so während der aktuell angeregten Beschäftigung mit dem Thema Tod, Schmerz und Trauer auch mehrere neue Bilder.

Ohne Titel präsentiert sich Wolfgang Beckers großformatige Arbeit in Mischtechnik auf Hartfaser. Ein von lasierenden und stumpfen Blautönen gerahmtes "Tor ins Jenseits" vielleicht, dessen Farbigkeit sich mit dem einfallenden Licht wandelt. Lasur in Kombination mit gemagerter, das heißt wenig fetthaltiger Ölfarbe gehört zu den an der wfk entwickelten besonderen Maltechniken. Die Einfachheit in Farbe und Form entspreche dem Thema.

Einen samtig-sandigen Charakter erhalten die mit gemagerter Ölfarbe "gestupften" quadratischen Bilder in Rot und Blau von Marion Haas. "Die Farbe wird nicht verstrichen, sondern mit dem Pinsel aufgestoßen." Eine ebenfalls "hauseigene" und recht zeitaufwendige Technik, für die man viel Geduld brauche, die aber auch zu innerer Ruhe und Einkehr führe.

"Ich arbeite mit den Lücken oder dem Weggenommenen", sagt Dozentin Mechthild Wöstmann und meint die 365 ausgefrästen Tage-Linien in ihrer Arbeit "Die vergangene Zeit" und das geschlitzte schwarze Dreieck von "No escape" (Kein Entrinnen). Eine "Emanzipation der Negativfläche" demonstrieren dagegen vier Bilder einer Serie von Siegfried Kiontke in den Farben Schwarz und Weiß, Rot und Grün. Anfang und Ende, Leben und Tod sind für ihn Teile einer untrennbaren Einheit. "Der Tod ist nichts Schreckliches, sondern Übergang zu etwas anderem.

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