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Wiesbadener Tagblatt vom 18.10.2004 - von Alexandra Erhardt

Todkranke zu wenig im Blick
Hospizverein und das Schmerzzentrum luden zur Podiumsdiskussion ein

Mit Autonomie und Würde am Lebensende beschäftigte sich der Hospizverein Auxilium und das Schmerz- und Palliativzentrum, die an der ersten Hospiz- und Palliativwoche teilnahmen. In den vorangegangenen Tagen hatte der Verein eine Ausstellung zu diesem Thema eröffnet, am Wochenende wurden Sachverständige aus den Bereichen Medizin, Ethik, Pflege und ein Vertreter der Kirche zu einer Podiumsdiskussion eingeladen.

Immer wieder äußerten die Diskussionsteilnehmer ihren Unmut darüber, dass Gesundheitspolitiker und Repräsentanten der Krankenkassen nicht zu einem Streitgespräch bereit seien. Ziemlich deutliche Worte fand Dr. Thomas Mainka, Hausarzt und Vorsitzender des Hospizvereins: "Die Politiker stehlen sich ganz offensichtlich aus der Verantwortung, indem sie den Weg hierher nicht gefunden haben." Moderator der Runde war Knud Zilian, Redakteur des Hessischen Rundfunks. Nachdem Michaela Hach, ambulante Krankenschwester und Leiterin der ökumenischen Sozialstation in Biebrich den zeitlichen Druck darstellte, dem sich Krankenpflegekräfte ausgesetzt fühlten, stellte der Redakteur die Frage, ob "sauber und satt sein schon der Würde des todkranken Menschen" entspreche. Dr. Thomas Nolte vom Schmerz- und Palliativzentrum kritisierte in seiner Antwort darauf die Politik, die noch nicht erkannt habe, dass Palliativmedizin auch zur Regelversorgung gehöre. "Es kann nicht sein, dass die Pflege am Lebensende.

Um eine strukturierte Regelversorgung kurz vor dem Tod zu gewährleisten, sei es notwendig, dass bestehende Gesundheitssystem "aufzuräumen" und an anderen Stellen zu sparen. Einen schweren Stand in dieser Runde hatte Helmut Schäf von der Deutschen Gesellschaft für Humanes Sterben. Er erkennt die Arbeit der Hospizbewegung an, dennoch ist für ihn "der Freitod ein Weg, der zum Menschen dazugehört". Um einen "Sterbetourismus" ins Ausland, wo das so genannte "selbstbestimmte Sterben" gesetzlich geregelt ist, auszuschließen, sei ein solches Regelwerk auch in Deutschland notwendig.

Propst Dr. Sigurd Rink von der Propstei Süd-Nassau widersprach Schäf, indem er erklärte, das Leben ist ein Geschenk Gottes. Weil der Mensch auch auf den Tag der Geburt keinen Einfluss hat, dürften sich die Menschen auch den Tag des Todes nicht aussuchen. Dennoch sei er dagegen, Menschen, die Sterben wollen, mit maximalen Möglichkeiten im Leben zu halten. Ein Austausch zwischen Fachärzten, Seelsorgern, Patienten und Angehörigen ist nach Ansicht des Propstes der sicherste Weg, die beste Entscheidung für den Todkranken zu treffen.

Über die Notwendigkeit von Patientenverfügungen kam es ebenfalls zu einer kontroversen Diskussion. "Wenn wir eine palliativmedizinische Versorgungskultur hätten, müssten wir nicht über Patientenverfügungen diskutieren", so Dr. Thomas Nolte.

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