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Wiesbadener Kurier vom 07.10.2005

Vertrauen in einen "würdigen Tod" vermitteln

Hospiz- und Palliativwoche beginnt Sonntag / Mediziner erteilen aktiver Sterbehilfe klare Absage / Forderung nach dicht geknüpftem Versorgungsnetz.

cox. WIESBADEN Bei Mitarbeitern der Hospize und bei Palliativmedizinern stößt die Einrichtung von Euthanasie-Zentren, wie sich jetzt eines in Hannover etablieren will, auf Ablehnung - und ist gleichzeitig Ansporn, für die Palliativmedizin den ihr angemessenen Stellenwert zu erreichen. Auch für das PalliativNetz Wiesbaden-Taunus, dessen zweite Hospiz- und Palliativwoche unter dem Motto "Wenn die Trauer nicht enden will . . .", am Sonntag beginnt. Ziel des Netzes ist eine umfassende integrierte hospizliche und palliative Versorgung am Lebensende, und nur so kann nach Ansicht des PalliativNetz dem Zuspruch zu aktiver Sterbehilfe und Ausbreitung von Sterbehäusern entgegen gewirkt werden. Dem kategorischen "Nein" der Bundesärztekammer zur aktiven Sterbehilfe schließen sich die Partner im Netz an und fordern mehr professionelle Strukturen der Palliativversorgung. Damit sterbenden Menschen eine Betreuung und Behandlung gewährt werden kann, "die durch Fürsorge und Kompetenz das Vertrauen in einen würdigen Tod vermittelt".

Die begleitende Unterstützung bei Trauerprozessen sieht die Hospiz- und Palliativarbeit als eine ihrer zentralen Aufgaben an. Der Schutz der Trauer als etwas sehr Persönliches sowie gleichzeitige Schaffung von Foren für das gemeinsame Nachdenken und Austauschen ist das Ziel der Palliativwoche, die unter der Schirmherrschaft der hessischen Sozialministerin Silke Lautenschläger steht und mit einer Fülle verschiedener Veranstaltungen aufwartet (siehe Programmkasten). Für die Organisation verantwortlich zeichnen der ambulante Hospizverein Auxilium, das Schmerz- und Palliativzentrum Wiesbaden, das Hospiz Advena, Evim und die im Aufbau befindliche Palliativstation an den Dr. Horst-Schmidt-Kliniken, die wie berichtet Anfang kommenden Jahres ihre Arbeit aufnehmen wird.

In einem mehrseitigen Papier hat der Qualitätszirkel Hospiz- und Palliativversorgung eine über Monate erarbeitete Konzeption zusammengefasst, die beispielhaft auch für andere Regionen sein will. Danach gehört zu den primären Aufgaben eines Palliativnetzes die wirkungsvolle Schmerzkontrolle, die Therapie belastender Symptome, eine Erreichbarkeit der Palliativ-Care-Mitarbeiter rund um die Uhr sowie Hilfe und Unterstützung der Angehörigen - immer mit dem Ziel, dass der Schwerkranke bis zuletzt in seinem häuslichen Umfeld bleiben kann.

Das PalliativNetz Wiesbaden-Taunus hat bei der palliativmedizinischen Versorgung deutschlandweit Defizite ausgemacht, die sowohl medizinisches als auch gesellschaftliches Handeln erforderlich machten. Nur zwischen 25 bis 30 Prozent aller Patienten sterben nach Angaben des Netzes zu Hause, eben weil eine gut funktionierende Infrastruktur, zu der auch die enge Kooperation zwischen Palliativmedizinern und Hausärzten und nicht zuletzt eine solide Finanzierung des Systems gehören, nicht vorhanden ist. "Dieses Versorgungsdefizit nährt in der Bevölkerung die Befürwortung der aktiven Sterbehilfe", fürchtet der Verbund. Und: Die Menschen befürchten, ohne entsprechende Fürsorge und Unterstützung mit ihren Schmerzen hilflos allein gelassen zu werden.

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