Allgemeine Zeitung vom 14.10.2005
cox. WIESBADEN In Bundespräsident Horst Köhler und Gesundheitsministerin Ulla Schmidt haben Wiesbadens Palliativ-Mediziner prominente Unterstützer gefunden. Auch sie sprechen sich gegen ein in Hannover geplantes Euthanasiezentrum und für die Errichtung von Palliativstationen und eine Verbesserung der ambulanten palliativmedizinischen Versorgung aus. Köhler wie Schmidt erteilen der aktiven Sterbehilfe eine klare Absage, und Schmidt ergreift Partei für die Schmerztherapeuten, die klare Finanzierungsregeln fordern.
Bereits die Bekanntgabe der Schweizer Freitodorganisation "Dignitas", in Deutschland eine Tochtergesellschaft und eine Sterbehilfe-Zentrum in Hannover errichten zu wollen, hatte den Präsidenten der Bundesärztekammer, Professor Jörg-Dietrich Hoppe auf den Plan gerufen. "Für uns Ärztinnen und Ärzte wird auch in Zukunft die Maxime gelten: Der Patient hat das Recht auf einen würdigen Tod, aber er hat nicht das Recht, getötet zu werden. Aktive Sterbehilfe lehnen wir Ärztinnen und Ärzte deshalb kategorisch ab."
Nach Auffassung der Bundesärztekammer dürfe am Strafrechtsparagraphen 216, der die Tötung auf Verlangen verbietet, nicht gerüttelt werden. "Und nichts anderes", so Präsident Hoppe, "ist der ärztlich assistierte Suizid."
"Ein Sterben in Würde ist die Aufgabe für die gesamte Gesellschaft", erklärte Bundespräsident Köhler, und nannte die Hospiz-Bewegung wie die Palliativmedizin als Möglichkeiten, einem sterbenden Menschen zur Seite zu stehen.
Für Gesundheitsministerin Schmidt ist die Forderung nach Sterbehilfe Indiz dafür, dass die Menschen Angst haben, mit ihren Schmerzen alleine gelassen zu werden. Die gezielte individuelle Schmerztherapie stellt in den Augen der Ministerin einen ganz wichtigen Bereich der Medizin dar, er dürfe nicht durch Kostenprobleme verdrängt werden. "Dann müsse aber auch etwas passieren", fordert Schmerztherapeut Dr. Thomas Nolte.
Die Schweizer Sterbehilfe-Organisation "Dignitas" ("Menschenwürdig leben - menschenwürdig sterben") wurde 1998 in Zürich gegründet und hat eigenen Angaben zufolge bis Mitte September 2005 mehr als 450 "Freitodbegleitungen" durchgeführt, mehr als 250 der Todkranken seien aus Deutschland gekommen. Ziel des Vereins "Dignitas"-Deutschland: "Die Unterstützung von Sterbenden und Sterbewilligen bei Durchsetzung ihrer durch das Grundgesetz, durch die einschlägigen Gesetze sowie durch die höchstrichterliche Rechtsprechung gewährleisteten Rechte, insbesondere des Rechts auf Selbstbestimmung."
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