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Wiesbadener Tagblatt vom 26.11.2005

Ein Arzt, der das Lieblingsdessert zubereitet

Der stellvertretende Auxilium-Vorsitzende Dr. Thomas Mainka ist mit Leib und Seele Naturheilkundler und Palliativ-Mediziner
von Marianne Kreikenbom

Je näher das eigene Ende rücke, desto ferner sei der Gedanke an die Euthanasie, sprich: an die bewusste Herbeiführung des Todes, erklärte vor einiger Zeit ein Vertreter der Deutschen Hospizstiftung. Aus seiner Praxis kann Dr. Thomas Mainka, Facharzt für Allgemeinmedizin in Schierstein und zweiter Vorsitzender des Wiesbadener Hospizvereins Auxilium, das nur bestätigen.

Der 38-Jährige besitzt nicht nur eine Zusatzausbildung in Naturheilkunde, sondern auch eine Weiterbildung in Palliativmedizin. Palliativmedizin wirke nicht heilend (kurativ), sondern lindernd und werde in der letzten Lebensphase eines schwerstkranken, sterbenden Menschen, beispielsweise eines Krebspatienten, angewendet, erklärt Mainka. Das Konzept des "Palliative Care", nach dem nicht nur er, sondern auch die Hospizfachkräfte von Auxilium arbeiten, zielt auf eine so genannte ganzheitliche Versorgung. Sie umfasst neben optimaler medizinischer und pflegerischer Betreuung auch die einfühlsame seelische und spirituelle oder religiöse Begleitung eines Sterbenden.

Obwohl vorrangig Medikamente zur Schmerzlinderung und Symptomkontrolle eingesetzt werden, gebe es auch jede Menge pflegerische "Tricks", um unnötiges Leiden zu verhindern, etwa durch individuell angepasste Lagerung oder Ernährung. Gewusst wie, könne man selbst einer Patientin mit Speiseröhrenkrebs schmerzlose Gaumenfreuden bereiten. Für das Lieblingsdessert einer solchen Patientin - Erdbeeren mit Schlagsahne - pürierte Mainka die Früchte kurzerhand und brachte ihr die Köstlichkeit beim Hausbesuch mit.

Nach zögerlichem Beginn in den 80er Jahren hielt die Palliativmedizin in der jüngeren Vergangenheit zunehmend Einzug in die ambulante und stationäre Betreuung. Dennoch ist sie bis heute kein Pflichtlehr- und Prüfungsfach in der Ausbildung von Medizinstudenten. Es existieren an deutschen Universitäten bisher nur drei (von der Industrie finanzierte) Lehrstühle für das Fach. Die Bezahlung palliativmedizinischer Leistungen im ambulanten Bereich gilt als absolut unzureichend.

Nachhaltig geändert werden könnte dieser Zustand erst, wenn die palliativmedizinische Versorgung als Anspruch und Recht im bundesdeutschen Sozialgesetzbuch verankert wäre. Eine politische Entscheidung, die bei den Kostenträgern auf nur wenig Gegenliebe stoßen dürfte. In einer Gesellschaft, in der sich "Anti- Aging" und ewige Fitness besser verkaufen lassen als der Gedanke an den Tod, sind unheilbar Kranke keine "positiven Werbeträger".

Der Prozess des Sterbens als Zeit des Abschiednehmens gehöre zum Leben wie auch der Tod, sagt Mainka. Patienten, die er als Hausarzt und Palliativmediziner in ihrer letzten Lebensphase versorgt und begleitet habe, seien dankbar gewesen, dass sie den durchaus schwierigen letzten Weg bis zum Ende gehen konnten. "Jeder Tag hatte für die Betroffenen eine Bedeutung und einen Wert." Den Wunsch nach Selbsttötung habe er bislang von keinem dieser Sterbenden gehört. Debatten um aktive Sterbehilfe und ärztlich assistierten Suizid, gegründet auf der verbreiteten Furcht vor Krankheit, Schmerz und Einsamkeit im Alter, bezeichnet Mainka als Gespensterdiskussionen von Menschen, die gar nicht wissen, welche vielfältigen Möglichkeiten die moderne Palliativmedizin im Verbund mit Hospizarbeit bietet. "Ich kenne nur sehr seltene Fälle, in denen die Palliativmedizin wenig, und keinen einzigen Fall, in dem sie gar nichts für einen schwerstkranken, sterbenden Menschen tun konnte."

Das Palliativ-Netz Wiesbaden-Taunus, das in den vergangenen Jahren geknüpft wurde und in dem auch Auxilium vertreten ist, gilt bundesweit als vorbildlich, ja federführend. "Alle Strukturen für eine gut funktionierende palliativmedizinische Rund-um-Versorgung sind hier vorhanden." Es fehle nur die Finanzierung durch die Kostenträger. "Auf eine Zusage warten wir seit anderthalb Jahren."

Dr. Mainka ist Hausarzt in der "vierten Generation". Sein Urgroßvater stammt aus Schlesien, sein Großvater eröffnete nach Kriegsende 1945 in Schierstein eine Praxis, die später Mainkas Vater übernahm. "Ich betreue noch heute viele, die von meinem Großvater auf die Welt geholt und von meinem Vater behandelt wurden." Hausbesuche und Patientenbegleitung haben in dieser Arztfamilie eine lange Tradition. Mainkas Tätigkeit für Auxilium erfolgt ehrenamtlich. Er fühle sich als Anwalt der Schwerstkranken und Sterbenden, die in der Regel kaum eine Lobby hätten. "Gerade weil sie mit ihrer Not am Rande des öffentlichen Interesses stehen, freut mich die Spenden-Aktion des Wiesbadener Tagblatts und das Engagement seiner Leser."

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