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Wiesbadener Tagblatt vom 24.12.2005

Auch mitten in der Nacht gibt es bei Auxilium Rat und Trost
Rund um die Uhr kompetente Gesprächspartner am Palliativ-Telefon

Dem Hospizverein Auxilium ist die diesjährige "Leser-helfen"-Aktion gewidmet. Der Verein begleitet in Einzel- und Gruppengesprächen auch Trauernde, die sich nicht allein gelassen fühlen sollen. Die telefonische Beratung gehört mit zum Angebot. Weil die ehrenamtliche Arbeit finanzielle Mittel erfordert - von der Miete bis zum Büromaterial - bitten wir, die Arbeit zu unterstützten.
Von Anja Baumgart-Pietsch

"Die Verbesserung der Lebensqualität von Patienten in der Lebensendphase" - was so nüchtern klingt, ist eines der Ziele des Palliativnetzes Wiesbaden-Taunus, eines Zusammenschlusses von Institutionen, die erreichen wollen, dass sterbende Menschen und ihre Angehörigen aufgefangen, betreut und ihre Schmerzen, körperlicher und seelischer Natur, gelindert werden.

Das Thema Tod ist oft tabu, daher ist es schwierig für Betroffene, Ansprechpartner zu finden, die ihnen zuhören und sie in dieser Lebensphase unterstützen.

Neu in diesem Netzwerk ist seit 1. November das "Palliativtelefon" - eine 24-Stunden-Rufbereitschaft, bei der Betroffene rund um die Uhr einen kompetenten Zuhörer finden. Zuhören ist das eine - aber auch praktische Hinweise zu bekommen ist das andere.

Wenn Schmerzen, Übelkeit oder Atemnot bei einem schwerstkranken Menschen auftreten, was gerade in den Nachtstunden oft vorkommt, sind die Angehörigen nicht selten überfordert oder rufen einfach den Notarzt - der jedoch nimmt dann in vielen Fällen den Patienten mit ins Krankenhaus. Das wird eigentlich selten gewünscht, denn der Patient möchte meist gern zu Hause bleiben.

Hier setzt die Hilfe der Mitarbeiter am Palliativtelefon ein: Sie geben Tipps, wie mit diesen Situationen umgegangen werden kann. Natürlich verweisen sie im Bedarfsfalle darauf, ärztliche Hilfe in Anspruch zu nehmen. "An unserem Palliativtelefon sitzen aber auch nur ausgebildete Fachleute", sagt Sylvia Klein, Öffentlichkeitsreferentin des Trägervereins Auxilium. Sie betont, dass diese zwölf Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter alle in "Palliative Care" fortgebildet wurden, das bedeutet, sie kennen sich mit den speziellen Anforderungen von Patienten in der letzten Lebensphase gut aus.

Doch nicht nur die Symptome der Krankheiten treten nachts häufig auf - auch Depressionen oder akute Überforderung der pflegenden Angehörigen. Diese finden am Palliativtelefon ebenfalls ein offenes Ohr und können sich einfach aussprechen, wenn ihnen das hilft.

Die Mitarbeiter der Hotline vermitteln auch andere Ansprechpartner, zum Beispiel im seelsorgerischen Bereich. Was sie allerdings nicht leisten können, sind Hausbesuche. "Wir haben hier einen reinen Telefondienst", stellt Sylvia Klein klar. Es können zwar Besuche anderweitig vermittelt werden, doch unter der Telefonnummer 408 08 28 sind zunächst nur mündliche Akutberatungen möglich.

Die telefonische Beratung existiert im übrigen schon länger unter der Auxilium/Advena-Trägerschaft. Neu - außer der neuen, leichter zu merkenden Nummer - ist die tatsächliche Rund-um-die-Uhr-Betreuung. Dieser Dienst konnte mit Unterstützung des Rotary Clubs Wiesbaden-Taunus eingerichtet werden - zumindest als Anschubfinanzierung, denn die laufenden Kosten für Personal, Telefongebühren und andere Erfordernisse bleiben bestehen und können momentan nur durch Spenden abgedeckt werden.

Die Krankenkassen beteiligen sich bis dato nicht an der Finanzierung dieser Beratung. "Es gibt in dieser Richtung nur zaghafte, erste Verhandlungsansätze", bedauert Sylvia Klein. Bisher ist das Notruftelefon noch nicht genügend bekannt, die Anrufzahlen halten sich noch in Grenzen.

"Wir wollen dieses Angebot stärker in die Öffentlichkeit tragen, damit mehr Betroffene davon erfahren und Gebrauch machen", sagt die Fachfrau von Auxilium. Auch der Ausdruck "Palliative Care", nur unzureichend übersetzbar mit "lindernde Versorgung", solle zu einem festen Begriff werden, denn der Bedarf an dieser Art von Betreuung, so haben die Mitarbeiter erfahren, sei ehr groß - wenn die Betroffenen erst einmal davon erfahren haben.

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