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Wiesbadener Tagblatt vom 09.01.2006

Raum der Stille für Todkranke
"Tag der offenen Tür" in neuer Palliativstation der Horst-Schmidt-Kliniken

Es war eine arbeitsintensive Woche, in der im Endspurt auf die heutige Eröffnung der Palliativstation an den Dr.-Horst-Schmidt-Kliniken (HSK) Ärzte und Pflegepersonal am Samstag zum "Tag der offenen Tür" eingeladen hatten. Im Juli 2005 war die Abteilung Palliativmedizin eingerichtet worden.
von Marianne Kreikenbom

Schon kurz nach zehn drängten sich die Besucher bei der ersten Führung von Dr. Bernd Oliver Maier, Internist, Palliativmediziner und ärztlicher Leiter der neuen Abteilung. "Ich finde es großartig, dass trotz allgemeiner Einsparung diese Station mit Hilfe von Spenden finanziert werden konnte", meinte Heide Bitto von der Wiesbadener Hospizinitiative.

Auch Maria Lindner von Advena und Doris Sattler, Maritta Sallinger sowie Sylvia Klein von Auxilium zeigten sich beeindruckt. Eine gegenseitige Konkurrenz sahen sie und Professor Dr. Norbert Frickhofen nicht. An der von ihm geleiteten Klinik Innere Medizin III (Hämatologie und Onkologie) ist die Abteilung Palliativmedizin beheimatet.

Frickhofen machte deutlich, dass die neue Einrichtung weder eine Pflegestation noch ein Hospiz sei. "Wir nehmen intern und extern unheilbar schwerstkranke Menschen auf, die in ihrer letzten Lebensphase unter akuten körperlichen Problemen leiden." Erfahrungsgemäß handelt es sich vor allem um Krebspatienten, auch wenn es keine Festlegung auf bestimmte Krankheiten gibt.

Durch Kontrolle der Symptome, gezielt lindernde (palliative) medizinische Behandlung sowie umfassende pflegerische und psychosoziale Betreuung sollen Lebensqualität und Selbstbestimmtheit der Patienten möglichst bis zum Ende erhalten bleiben. "Mit der ambulanten Arbeit des Hospizvereins Auxilium, der stationären Betreuung in der HSK und der Begleitung Sterbender im Hospiz Advena verfügt Wiesbaden über drei wichtige Säulen im palliativmedizinischen Netzwerk", sagte Norbert Frickhofen.

Insgesamt zehn Betten in acht Einzelzimmern und einem Doppelzimmer, eine Küche für Patienten und Angehörige, ein so genanntes Wohnzimmer, ein geräumiges Wohlfühl-Bad, einen Raum der Stille im warmen Grün-Rot und eine großflächige Terrasse bietet die Station.

Für über eine Million Euro wurde hier eine ehemalige Infektionsstation umgebaut und einfühlsam den Bedürfnissen der künftigen Patienten entsprechend ausgestattet. 750 000 Euro davon stellte die Deutsche Krebshilfe zur Verfügung, 250 000 Euro die HSK. Weitere Mittel stammen aus privaten Spenden.

Angestrebt werde eine nur begrenzte Aufenthaltsdauer (durchschnittlich etwa 13 Tage) und die Entlassung nach Hause, erklärte Pflegeleiterin Sieglinde Gross. Von der Konzeption bis zur Ausstattung und Farbgebung hat sie mit Maier an der Gestaltung der Station gearbeitet und das 13-köpfige Pflegepersonal zusammengestellt. Die meisten kommen aus Stationen der HSK. "Besonders stolz sind wir auf unseren mit drei Pflegern relativ hohen Männeranteil." Das gesamte Team scharre sozusagen schon mit den Hufen, um endlich loszulegen, erklärte Maier. "Alle sind hoch motiviert."

Der 32-jährige Henning Thieme gehört dazu. "Ein ausgezeichneter Krankenpfleger und ein liebenswerter Mensch, genau richtig hier", lobte ihn Heide Ohlinger aus Wiesbaden. Thieme hatte in Frickhofens Klinik ihren 2005 verstorbenen Mann betreut. "Ich wäre glücklich gewesen, wenn es damals schon eine Palliativstation gegeben hätte." Heide Ohlinger zählte zu den eingeladenen privaten Spendern. Aus Neugier schaute das Ehepaar Renate und Jürgen Welzel vorbei. "Ich bin Patient ein Stockwerk höher und hätte auch gern so ein schönes Zimmer wie hier", meinte der ehemalige Geschäftsführer des ASB.

Bis zum Nachmittag trafen immer wieder neue Gäste ein: Kollegen aus dem Haus, Mitarbeiter anderer Institutionen, Förderer, Freunde und Patienten. "Mit einem derartigen Interesse habe ich nicht gerechnet", gestand Maier. Die Freude war ihm anzusehen.

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